Im Hamsterrad: Antreiber oder Getriebener?

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Im Hamsterrad: Antreiber oder Getriebener

… oder warum wir mehr Muße brauchen

Das Rad dreht sich immer schneller. Die kleinen Beinchen rasen. Bis er Purzelbaum schlägt, der kleine Hamster Rudi. Höher, schneller, schriller – ein Bild unserer ausschließlich auf Leistung und Schein ausgerichteten Gesellschaft. Dann hören wir von Korruption, Bestechung, Betrug, Absprachen, Vertuschungen ... Sind das nur krankhafte Auswüchse der Leistungsgesellschaft? Oder müssen wir die Leistung als humane Verhaltensform schlechthin in Frage stellen? Was bringt Menschen dazu zu glauben, dass sie nur dann vollwertig sind und nur dann wertvoll, wenn sie viel leisten? Wie kommen Menschen auf die verrückte Idee, so viel Leistung bringen zu müssen, bis sie umfallen? Der Hamster Rudi radelt schließlich auch nicht ununterbrochen in seinem Rad, sondern nur zeitweise.

Muße kommt in unserem Tagesablauf selten vor, denn Muße hat ein schlechtes Image. Es gibt wenig Freiraum und Müßiggang. Das Nichtstun wurde über Jahrhunderte als Feind der Seele gesehen und als gefährlich eingeschätzt. Doch bei der Muße geht es nicht ums Nichtstun, Müßiggang oder gar Langeweile, sondern Muße ist ein Auf-sich-selbst-konzentrieren. Muße bedeutet Zeit für sich. Muße bedeutet sich selbstbestimmt auf etwas ganz anderes einlassen. Oder, wie Altmeister Goethe in einem seiner Gedichte schrieb: „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ Ist das nicht das wirkliche Glück?

Wir schaffen das! Schaffen wir das?

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Wir schaffen das! Schaffen wir das?

… oder warum wir Zuwanderung wollen sollen.

Alle reden nur von Flüchtlingen. Und es kommen viele, sehr viele, ob wir wollen oder nicht. Und unsere eigene Geschichte zeigt: Zäune, Mauern und Schießbefehle werden sie nicht abhalten. Die einen meinen, das Boot sei voll, die anderen, das Boot würde leer werden. Die einen sagen: Das schaffen wir. Die anderen sagen: Wir wollen es nicht schaffen. Die Grenze der Belastbarkeit sei erreicht. Andere faseln von unseren Werten, die in Gefahr seien. Dabei meinen sie nur ihr eigenen Besitzstände.

Alle reden nur von Flüchtlingen, die uns zu viel Geld kosten. Dabei sind alle unsere Vorfahren in irgendeiner Form zugereist, eingewandert, einfach so gekommen. Es waren und sind einfach nur Menschen, die aus egal welchen Gründen den Weg zu uns suchen. Menschen, die ihre Sprache und Lieder, ihre Kleidung und Haartracht, ihre Bräuche und Sitten mitbringen. Was für eine erstaunliche Vielfalt, das Leben zu leben. Nur mit Zuwanderung kommen wir aus dem gesellschaftlichen Autismus unseres gemütlichen, langweiligen Deutschlands raus. Rücken der kulturellen Emanzipation näher. Das verlangt Lernfähigkeit, Neugier und die Bereitschaft, Dinge anders zu machen. Vielen mag das nicht gefallen. Aber nur so wird unsere übersättigte Gesellschaft wieder lebendiger.

Identität, Erfahrung, Moral

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Identität, Erfahrung, Moral

… oder warum es keine Integration geben kann

Jeder möchte in seiner Gesellschaft, in seiner Kultur voll anerkannt werden. Identität und die moralischen Erfahrungen sind grundlegende Voraussetzungen dafür: Gebote und Verbote, Pflichten oder Verantwortlichkeiten gegenüber anderen Personen, Gruppen und Institutionen sowie entsprechende Rechte – all diese „Normen“ entstammen kulturellen oder religiösen Traditionen oder es handelt sich um Gesetze. Identität und Erfahrungen können nicht beliebig konstruiert werden und wir können sie uns nicht selbst verleihen. Nur die authentische Erfahrung zählt. Moral durchwirkt unseren Alltag bis in die feinsten Strukturen und deshalb nehmen wir sie nicht mehr wahr. So entsteht unausgesprochen eine Selbstverständigung von Menschen über sich und andere.

Menschen spiegeln sich: je der Eine im Anderen. Ohne das fänden sie nicht zueinander und zu sich selbst. In unserer Gesellschaft hat die einheimisch-weiß-männlich-hetero-Perspektive oft das letzte Wort. Die zugereist-schwarz-weiblich-homosexuelle Perspektive wird oft unterdrückt. Hier gibt es nichts, aber auch gar nichts zu diskutieren oder zu argumentieren. Wir werden nie die Perspektive anderer Gruppen übernehmen. Nie werden wir uns in andere Gruppen integrieren können und umgekehrt. Wir können sie respektieren und anerkennen. So schaffen wir die moralischen und zwischenmenschlichen Bedingungen für ein gutes Zusammenleben. So entstehen damit neue Identitäten, Erfahrungen und Normen. Und das wäre schon viel.

Fakten oder Fiktion?

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Fakten oder Fiktion?

… oder warum die Wahrheit immer subjektiv ist

Zweihundertmal am Tag sollen wir die Unwahrheit sagen. In irgendeiner Form, mit Worten, mit Gesten und von den Gedanken wollen wir gar nicht reden. Unentwegt greifen wir zu Notlügen und Ausflüchten. Hauptsächlich um Schaden und Leid von unseren Mitmenschen, aber vor allem von uns selber abzuwenden. Lügen erhöht das Selbstwertgefühl, ermöglicht einen einfacheren Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erleichtert das friedvolle Miteinander der Menschen ungemein.

Eigene Erinnerungen, fremde Eindrücke, Einzelheiten vom Hörensagen, Interpretationen und Schlussfolgerungen, all diese Mosaiksteine lassen sich zu unterschiedlichen Bildern zusammensetzen und verschmelzen zu der einen Wahrheit, einer subjektiven Wahrheiten. Das ist oft nicht die Version der Wahrheit, die wir selbst am liebsten hören wollen, aber es ist die Version, die das Herz - unser eigenes und das unserer Leser und Zuhörer - am tiefsten berührt. Diese kostbaren Ideen der Fantasie, der Illusionen, des Glaubens und der Hoffnung, sind wichtig für uns. Belasten wir sie nicht mit der Bürde der Wahrheit.

Mittelmaß für die Mitte

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Mittelmaß für die Mitte

… oder warum wir eine andere Orientierung brauchen

Es herrscht ein geradezu beängstigendes Gedränge hin zur „Mitte“. Ob Parteien, Fernsehsender, Schulen, Universitäten und andere Institutionen, alle wollen ihre Position in der Mitte der Gesellschaft ausbauen. Ein riskanter Kurs. Denn schnell wird Mitte zum Mittelmaß, und dahinter verbirgt sich Stillstand, steckt allgemeine Erschöpfung. „Mitte“ wird zum Ausdruck der Ratlosigkeit, zur Ausrede für bequeme Selbstgefälligkeit.

Die Mittelmäßigkeit zehrt von den Leistungen der Vergangenheit und vergleicht sich mit noch Schlechteren. Wer kann sich das auf Dauer leisten? Es geht nicht um Elitedenken und Exzellenzinitiativen. Sondern ganz einfach: Versuche, etwas beim ersten Mal gleich richtig zu machen: Gib dich mit dem Erreichten nicht zufrieden: Werde einfach gegenüber deinem jetzigen Stand etwas besser. Maßstab darf nicht das Sumpfgebiet „Mitte“ sein, sondern dein eigener Leistungsstand. Mittelmaß ist der Tod jeder Gesellschaft.